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Donnerstag, 6. Mai 2021

Die ersten zehn Lehren aus der Pandemie

1. Muss man nicht haben.
2. Man sollte nie “Bald ist vorbei.” sagen.
3. Wusste auch noch gar nicht, wie anfällig manche Mitmenschen für Verschwörungstheorien sind.
4. Hätte vor drei Jahren eine Maskenfirma gründen sollen.
5. Eine Welt ohne Drängeln hat auch was.
6. Homeoffice ist irgendwie doch mit Arbeit verbunden.
7. Bald braucht man fürs Nichterscheinen neue Ausreden.
8. Ich könnte jetzt eigentlich meinen Abschluss als Diplomvirologe machen.
9. Zu einem anständigen Frühstück gehören Kaffee, Brötchen und die 7-Tage-Inzidenz.
10. Und für alle Fälle immer bisschen Klopapier und Nudeln bunkern.

Montag, 3. Mai 2021

Das Frustvirus

Immerßu is Demo, jammert der Berliner.
Wenn er Glück hat, sind die Straßen dicht. Wenn er Pech hat, ist auch sein Auto ramponiert, das er ja eigentlich gar nicht braucht.
Wenn die revolutionäre Mai-Demo in Berlin das revolutionärste ist, was dieses Land hervorbringt, muss man sich vor einer Revolution nicht fürchten.
Sie besorgt zuverlässig die Diskreditierung berechtigter Kapitalismuskritik.
Dieses Mal aber gab es noch etwas Mutation.
Denn auch im letzten Winkel der Protestkultur ist die Erzählung angekommen, dass die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung vor allem den machtlüsternen Sadismus der Mächtigen bedienen. Auch die Mairevolutionäre sind auf diesen Leim gekrochen.
Die Herrschenden würden, heißt es im Demo-Aufruf, mit ihren Pandemie-Maßnahmen versuchen, “den Begriff Solidarität zu erbeuten”. “Willkürliche Ruhe” und “dauerhafte Überwachung” werden beklagt,"um Kontrolle, Verschärfung und Gewalt europaweit auszubauen".
So manche Corona-Maßnahme der Regierung halte ich durchaus für nicht zielgenau, zu spät oder unentschlossen, aber den Regierenden zu unterstellen, sie hätten nur auf eine Gelegenheit gewartet, um mit Atemschutzmasken endlich das Volk zu knebeln, ist mir entschieden zu fiebrig. Es müssten ja weltweit auf einmal sämtliche Ministerräte unterjochungsgeil geworden sein, mit Ausnahme der Gegenden, wo man lieber noch ein Gräberfeld mehr aushebt als etwas Wirksames zu unternehmen.
Nein, hier wurde Vorgekautes in den Mund genommen.
Mit dem Einstimmen in die Querdenker-Chöre ist die ‘revolutionäre’ Mai-Demo quasi mutiert.
Das virale Erbgut des grundsätzlichen Verächtlichmachens von Demokratie und Regierungen ist ohne jede Immunreaktion aufgenommen worden. Wie man sieht, kann es jetzt dank der Verkapselung in Corona-Frustration, unabhängig von Rechts oder Links, in jede Protestströmung leicht eingebracht werden.
Immerßu is Demo, jammert der Berliner.
Und immer öfter die gleiche.

Freitag, 30. April 2021

Generationenvertrackt

Liebe Kinder,
wie gern hätte auch der alte, weiße Mann, Euer Onkel Boomer, in jungen Jahren die Regierung per Verfassungsgericht zu Nachhaltigkeit gezwungen! Aber der saure Drops Weltkrieg war leider schon gelutscht, und ein Schulstreik gegen die im Unterricht vermittelte Begeisterung für die friedliche Nutzung der Kernkraft hätte uns allerhöchstens eine Einweisung in die Kinderpsychiatrie beschert.
Immerhin durften die Lehrer nicht mehr prügeln, nicht einmal die Lehrerinnen. Es gab aber Nachsitzen ohne Smartphone. Die Hölle für Euch, würde ich meinen.
Dass Eure Generation mit den bis an die Decke spielzeugverfüllten Kinderzimmern und dem chronischen Ladenotstand Eures Equipments auf die Garantie der Nachhaltigkeit pocht, ist mir, dessen Spielzeug in eine Schublade passte und der keine Gemeinschaftsunterkunft zuerst nach Steckdosen absuchte, pardon, etwas unheimlich.
Als ich im schulstreikfähigen Alter war, vermerkten wir beispielsweise mit Genugtuung, dass gerade die rußenden Dampflokomotiven durch die sauberer wirkenden Dieselloks ersetzt wurden. Dass hier Beelzebub den Teufel ablöste, merkten wir nicht. Und manches, was sich heute leicht nachplappern lässt: Windkraft, Solarstrom, Biogas, ist sicher nachhaltiger als die böse, alte Diesellok, aber noch lange nicht klimaneutral, auch wenn es dransteht. Denn allein, dass jeder Kram hergestellt werden muss, Metall gewonnen, seltene Erden ausgekratzt usw., muss einberechnet werden. Außerdem ist es ein Naturgesetz, dass das Ooops! immer Jahrzehnte nach dem Hurra kommt. Alle Eingriffe in das ökologische System der Erde haben Folgen, alle.
“Es muss sichergestellt werden”, steht es bei “Fridays for Future”,”dass die Hauptlast der Bekämpfung der Ursachen und Folgen der Klimakrise nicht weiterhin auf Schultern derer liegt, die am wenigsten dazu beigetragen haben.”
Als unsereins mit dem Weltverdrecken loslegte, lebten etwas über 3 Milliarden Menschen auf der Erde, jetzt sind es fast 8. Ganz schön viele Schultern, wenn Ihr mich fragt (,was Ihr natürlich nie tun würdet). Ob Ihr wirklich die wenigsten seid, die zu den Belastungen beitragen? Hmm.
Aber ich bin auch schon still und schließe. Zu lange Texte kommen heute nicht mehr gut.
Ich mache übrigens gern alles mit, was grün sein soll.
Wie übrigens schon immer.

Mittwoch, 28. April 2021

Vorschlag zur Befriedung der Bürgerrechtslage

Vielleicht könnte man all jenen, die noch nicht zwei Mal geimpft wurden und deshalb neidisch werden, wenn sie nicht bereits mit den Anderen draußen herumtollen dürfen, täglich ein Bonbon zugestehen.

Dienstag, 27. April 2021

Aus dem Tagebuch der unterliegenden natürlichen Intelligenz (8): Fundlawinen

“Wenn jemand bei dir ein Pferd kaufen will, und du hast kein Pferd, dann verkauf ihm einen Esel.”
An diese schöne, alte Händlerweisheit fühle ich mich jedes Mal erinnert, wenn ich in irgendeine Online-Suchmaske etwas eingebe.
Einen Schauspieler oder Regisseur etwa bei Amazon Prime Video.
Nur wenige Antworten passen zur Anfrage. Jedoch anstatt es bei diesen bewenden zu lassen, werden nun endlos Filme aufgelistet, die irgendwann unter Aufbietung aller Fantasie wirklich nichts mit der Frage zu tun haben können.
Sollte ich nicht entnervt aufhören, würde irgendwann jeder Film, der da ist, angeboten werden.
Du sollst nicht suchen, spricht es zu mir, sondern als gefunden betrachten, was wir dir vor die Füße werfen.
Auch Amazon hat die Empfehlung mit dem Esel ausgebaut: wenn du auch keinen Esel hast, verkauf ein Huhn oder ein Holzbrett. Aber verkaufe.
Verkaufen ist wichtiger als antworten.
Eine Suchmaske ist nichts anderes mehr als eine Angel ins Portemonnaie.
Selbst objektiv scheinende Suchmaschinen listen Handelsangebote, weil dafür bezahlt wurde, oben. Sie suchen zuerst nach der Belästigung, die am besten zur Frage passt.
Vom Kaufmännischen her ist das Vorgehen gut zu verstehen.
Aber es macht etwas mit uns (,weswegen ich diese kleine Reihe pflege).
Es entwöhnt uns das Fragen.
Fragen ist nur noch der kleine Finger, an dem die ganze Hand hängt.
Und Fragen heißt: keine klare Antwort bekommen.
Jeder vorsichtige Schritt löst irgendwann nur noch eine Lawine aus, die alles begräbt, was man sucht.
Die Suchmaschine überwältigt, bedrängt, irritiert.
Aber antwortet nicht mehr.
Wen noch fragen?

Montag, 26. April 2021

Gründermund

"Wir brauchen eine neue Gründerzeit", hörte ich heute Kanzlerkandidat Laschet sagen.
Dabei meint er, dachte ich sofort wohlwollend entlastend, ganz gewiss etwas anderes als er sagt. (Wird das ein prägender Charakterzug?)
Die hier offenbar zitierte Gründerzeit im 19. Jahrhundert endete doch schon 1873 im so genannten "Gründerkrach" infolge zahlreicher all zu spekulativer Firmengründungen.
Da hätte man sich wieder einlesen müssen.
Muss auch nicht sein.
Grundsätzlich würde ich als Politiker historische Parallelen einfach eher vermeiden als beschwören.
Irgendwas ist nämlich immer faul.
Und an der Gründerzeit besonders.

Sonntag, 25. April 2021

Das Wirr-Gefühl

Überhaupt darüber zu diskutieren, dass Geimpfte, so sie niemanden anstecken können, nicht wieder alles dürfen sollen, ist ein erbärmlicher Ausdruck dieser kleinkarierten Missgunst, die wie Mehltau auf diesem Volk liegt.
Niemand soll ein Vorteilchen haben, und sei es auf Zeit.
Da gehen wir gleich nach Karlsruhe.
Anderen etwas gönnen - das wäre ja noch schöner.
Man hörte diese Basslinie des Volksempfindens schon lange beim Besteigen von Zügen oder Einfädeln auf Autobahnen. Erst ich. Als verlöre man etwas, wenn Andere zehn Meter gewinnen.
Und so gar keine Lust nirgends, einfach mal schön zu denken.
Sicher muss man bei den Geimpften klären, ob sie wirklich das Virus nicht mehr weitergeben. Aber wenn dem so ist, könnte man zur für jeden in Aussicht stehenden Rückkehr in die Normalität doch nur gratulieren - wenn nicht dieser giftige Neid wäre.
Die Meta-Pandemie.
Gefüttert wurde der Neid insbesondere über lange Jahre von egoistischer Werbung (“Unterm Strich zähl’ ich”). Im Laufe der Pandemie war dann zwar zu beobachten, dass viele Werbestrategen auf ein gemeinschaftliches Wir-Gefühl umzuschwenken versuchten. Aber viel geholfen hat es offenbar nicht, wenn auch in der Frage der Geimpften-Rechte gar mit Klagen gedroht wird.
Es wäre jedoch schlichtweg absurd, von Menschen, die keine Gefährdung darstellen, zu verlangen, sich zu verhalten, als ginge eine Gefährdung aus.
Allerdings wäre das Absurde nicht zum ersten Mal die Zuflucht dummer Wut.

Donnerstag, 22. April 2021

Selber mutieren?

Immerzu denke ich: wir Menschen, wir müssten doch selber auch mal.
Mutieren.
Womöglich läuft ein Mutationswettlauf um die Weltherrschaft, den wir fälschlich als längst gewonnen betrachten.
Der homo sapiens ist fertig, denken wir, weil wir nur wenige Veränderungen sehen. Dabei könnten wir auch einfach nur zu langsam sein.
Gemessen an unserem Reproduktions-Zeitaufwand gewähren wir den Viren weitaus großzügiger Zeit für Vervielfältigungen als uns selbst.
Bis wir endlich mal eine Mutante hervorbrächten, die vernünftiger, entschlossener, weitsichtiger und dabei vielleicht sogar mitfühlender wäre, ist längst der letzte Baum vertrocknet.
Wir geben uns, wie es derzeit aussieht, die Jahrtausende nicht.
Es ist auch, mit Verlaub, zu wenig Mutationsfreudigkeit unter Menschen zu beobachten. Im Gegenteil. “Ganz der Papa!”, “Ganz die Mama!” freuen sich die den Eltern genetisch Nahestehenden. Sie wollen keine Veränderungen, sondern sich am liebsten im Nachwuchs als 1:1-Kopie ihrer Beschränktheit wiedererkennen. Schon falsch.
Wie wir am Virus sehen.
Es ändert sich hemmungslos.
Sich Ändern bedeutet schließlich Überleben in einer sich ändernden Welt.
Wir Menschen müssten erst einmal auf den Level hinmutieren, der uns das Sichändernmüssen begreifen lässt.
Klempnern lässt sich das an den Genen ganz sicher nicht so leicht. Sich das zuzutrauen wäre wahrscheinlich nur ein weiterer Beleg für die Unreife.
Wir müssten auf Variationen warten, die besser sind als wir.
Nur ist dieses unter all dem Warten derzeit nicht dabei.

Mittwoch, 21. April 2021

Die Krise der Belästigungsliteratur

Es muss festgestellt werden, dass die literarische Qualität von Spam-Mails in letzter Zeit deutlich nachgelassen hat.
Während mich einstmals noch nigerianische Prinzen blumenreich aus der ISS anflehten, ihr irdisches Milliardenvermögen gegen fürstlichen Lohn zu verwalten, kommen heute nur noch lieblos hingeworfene Zeilen: “Überprüfen Sie Ihr Konto!”, “Payout Verification”.
Oder ist nur die Internetverbindung zur Raumstation schlecht?
“Finden Sie heraus, warum Gunter Jauch Bitcoin liebt!” appelliert eine Mail. Als ob ich jemals etwas herausfände. Ich erinnere mich an einen Playboy namens Gunter Sachs und frage mich erstens, ob es keine reichen Günter mit “ü” geben darf. Und wo Jauchens “h” in Günter hin ist. Eingetauscht gegen Bitcoin?
Spam-Mail-Verfasser sind mittlerweile so einfallslos wie die Drehbuchautoren des Kinos. Glauben sie der Botschaft aus Hollywood, dass alle Geschichten auserzählt sind und nur noch recycelt werden können?
Früher, in der Hochblüte der Spam-Literatur, wurde ich eingeladen, mein Geld für meine Rückkehr im nächsten Leben passwortsicher zu parken. Heute heißt es nur: “Rechnungsalarm”.
Vielleicht haben die Verfasser einfach nur festgestellt, dass keine langen Texte mehr gelesen werden. Message muss heute zack-zack.
Oder es liegt eine Schreibblockade vor, writers block, ausgelöst von der Geringschätzung durch das Publikum. Es hat spam fiction nie richtig ernst genommen. Es gab auch keine Förderwettbewerbe wie etwa “Jugend spamt”. Die Jungen wollen heute lieber plappermäulige Influencer sein als mühsam durch das geschliffene Wort in den Sparbüchsen der Leichtgläubigen schürfen. Dass es Letztere nicht mehr gibt, kann ich nicht glauben. Die Leichtgläubigen sind die Glaubensfestesten.
Es ist ganz sicher eine Schaffenskrise.
Vielleicht sollte man Schreib-Workshops anbieten. In allen Sparten versprechen heute Anbieter, über ein 300-Euro-Wochenende zum Könner zu reifen. Schnelle Geniebrüter.
“Hast du es noch nicht versucht?” steht heute morgen in der Betreffzeile einer Spammail. Ja was? Was habe ich noch nicht versucht? In der Mail ist wieder nur ein trüber Link.
Ich bin sicher, dass es etwas gibt, dass ich noch nicht versucht habe und versuchen könnte. Aber es muss schon noch gut erfunden werden.

Montag, 19. April 2021

Noch hat er das Kreuz nicht 'rausgeholt...

...der Markus Söder.
Auch schon vergessen, dass er in jeder Amtsstube ein Kruzifix hängen haben wollte? Sozusagen als spiritueller Mund/Nasen-Schutz. Die Sache ist auch schon gerichtlich beklagt.
Ich als wechselweiser Atheist / Agnostiker / Buddhist / Garnichts habe ihm das nie verziehen.
Kirche und Staat gehören getrennt wie Glauben und Denken. Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
Es muss nun aber, deswegen die Erinnerung, dringend damit gerechnet werden, dass Söder im Falle seines Sieges das Kreuz dann als Kanzler gern bundesweit hätte. “Jeder nur ein Kreuz”, wie es bei Brian so schön heißt, ob Kfz-Anmeldestelle, Finanzamt oder Fundbüro.
Oder holt er es schon früher raus, um sich als Exorzist der Union zu profilieren?
Bei einem, der überall Kreuze will, würde ich nie mein Wahlkreuz machen.
Nach Söder ist das Kreuz “sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland”. Für mich wäre es das Zeichen, das mit den Grundwerten nicht kapiert zu haben.
(Für die Inquisition: ich mag auch Knoblauch nicht. Kann mich aber im Spiegel sehen.)
So schwer erträglich manchem der Armin erscheint, muss im Alternativfall mit einem Kreuzzug gerechnet werden.
Gegen diese Bevormundung ist die grüne Sprachpolizei ein Streichelzoo.
Es ist schon ein Kreuz mit der K-Frage.