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Samstag, 17. April 2021

Als wir uns fesseln ließen

Irgendwie war früher weniger Verfassungsgericht.
Die Verpflichtung zum Sicherheitsgurt im Auto wurde, soweit ich mich erinnere, klaglos hingenommen.
Und nicht als Gesundheitsschutz für ein paar Wochen, sondern für immer und ewig.
Obwohl nichts weniger vom Bürger verlangt wurde als sich selbst zu fesseln.
Freilich erweckte die Bandage den Eindruck, als schütze der Angebundene eher sich selbst als Andere, was dem Gurt einen erheblichen Akzeptanzbonus eingebracht haben dürfte.
Aber bei der Begrenzung der Promillezahl ging es doch ziemlich hart ans eigene 'Zum Wohl!'.
Und nichts schien trotzdem mehr zu beunruhigen als der unschuldige Tod jener, die vom Besoffenen angefahren würden.
Der saufende Fahrer selbst war dem Gesetzgeber da eher egal.
Ein paar Diskussionen gab es deshalb dann schon, etwa um 0,7 oder 0,5.
Aber schlussendlich fügten sich Millionen Wein-und Whiskykenner ohne Torkelgang nach Karlsruhe der staatlichen Spaßbremse! Nix mit ‘Mein Bauch gehört mir’ bei den zahllosen Bierfreunden! Nicht mal zuhause durfte man vor der Fahrt noch einen zischen! Und dass da draußen vielleicht nur einer von hunderttausend Besoffenen einen tot fährt, wurde nicht einmal gegengerechnet. Die Intensivstationen wären auch mit einem doppelten Andrang noch gut klar gekommen, also so what?
Gar nicht anfangen will ich mit den Leitplanken, die plötzlich rechts und links die freie Fahrt einengten.
Oder mit der Helmpflicht für Motorradfahrer, die das Recht auf freien Kopfputz aufhob, auch für immer.
Mit dem Verbot des erfrischenden Abendspaziergangs für einige Wochen, um nichts weiter als die Überfüllung von Intensivstationen zu vermeiden, auf denen sowieso jeder zweite stirbt, könnte nun der Staat aber denn doch zu weit gehen.

Donnerstag, 15. April 2021

Schweineglück (neues Kurzhörspiel)

Der Verzehr des Patenschweines ist der Höhepunkt einer intensiven Beziehung.
Sie sind dabei im Bio-Restaurant "Zum Grünen Ferkel"!

Mittwoch, 14. April 2021

Demnächst auf der Wippe

Das so genannte Freiheits-und Einheitsdenkmal, derzeit im Bau, wird eine begehbare Skulptur: wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens zwanzig Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, beginnt sich die Schale langsam und sanft zu neigen.
Da gerade die Finanzierung endgültig geklärt werden konnte, kann sich auch kurz nach der Eröffnung die folgende unvermeidliche Szene ereignen.

Stimme von der einen Seite: He, ihr müsst hier rüber kommen, sonst wippt die Wippe nicht!

Stimme von der anderen Seite: Und wieso wir? Kommt ihr doch rüber!

Stimme von der einen Seite: Wir waren zu erst da, und wir sind mehr!

Stimme von der anderen Seite: Und wir sind dicker! Wir leisten die meiste Wipparbeit!

Stimme von der einen Seite: Es kann nur nach der Mehrheit der Wipper gehen!

Stimme von der anderen Seite: Muss es nicht "Wippende" heißen?

Stimme aus der Mitte: Regt euch doch nicht auf. Vielleicht wippt die Wippe überhaupt nicht und ist nur eins von diesen leeren Versprechungen der Regierung.

Stimme von der einen Seite: Wehe, es wippt nicht!

Stimme aus der Mitte: Die wollen doch nur, dass wir wippen! Wacht auf! Sie wollen uns wippend, damit wir damit beschäftigt und abgelenkt sind!

2. Stimme von unten: Ich will aber das Wippen, das mir zusteht! (springt erregt hinauf)

Stimmen sowohl von der einen wie anderen Seite: Hilfe, die Wippe ist voll!

Stimme von unten: Ihr macht die Wippe kaputt!

Stimme von der anderen Seite (nach unten): Selber nicht mitwippen und große Reden schwingen, typisch!

Stimme aus der Mitte: Die Wippe muss weg! Die Wippe muss weg!

Stimme von der einen Seite: RUHE AUF DER WIPPE!

Stimme von der anderen Seite (beiseit gesagt): Ich glaube ich weiß, wie man sie kaputtmachen kann. (laut:) Wollt ihr das totale Wippen!

Es entsteht ein anhaltender Tumult, der schon bald zur touristischen Attraktion der Hauptstadt wird.

Montag, 12. April 2021

Warum man doch immer mal in den Spam-Ordner gucken sollte

Man sollte beispielsweise in den Spam-Ordner schauen, weil die Tochter einer verstorbenen Freundin an alle Kontakte, die sie im Laptop der Mutter finden konnte, die Traueranzeige geschickt hatte.
Weil es offenbar sehr viele Kontakte waren, wurde das automatisch-tränenlos als Spam klassifiziert.
Sich an Viele wenden, ist heute verdächtig, so lange man keine Marke ist oder Partei.
Wer Vielen schreibt, will meist nur viel erbeuten.
Ich beeilte mich, die traurige Mail rasch als "Nicht Spam" zu markieren, bevor ich sie ja wohl doch löschen werde.
Aber sie sollte nicht in diesem trüben Strom treiben.
Das Attribut "Spam" schien sie zu beschmutzen, zu beleidigen.
Andererseits möge jede(r) schlussendlich von so vielen Menschen vermisst werden, dass die Trauernachricht im Spamordner landet!
(So lange die Algorithmen nicht lernen, menschlich Bewegtes vom Seelenlosen zu unterscheiden.)

Sonntag, 11. April 2021

Der bunte Leute-Tod

Nachrichten rund um den Tod des englischen Prinzgemahls werden von diversen Nachrichtenportalen gleichmütig unter der Rubrik “Unterhaltung” feilgeboten.
An Geschmacklosigkeit gewöhnt, merkt der Mensch des 21. Jahrhunderts da nix mehr.
Und Rubrik muss ja sein, wo kämen wir sonst hin.
So begrenzt der Unterhaltungswert des Todes auch ist.
Manche haben es auch unter “Buntes” oder “Leute” schubladiert.
Aber natürlich ist Prinz Philipp kein Leut.
Höchstenes etwas bunt. Bei Königs darf und muss es ja aus Dekogründen kitschig glitzern und schillern.
Wegen der Unterhaltung. Sie vor allem hält die Monarchie am Leben.
Ob das Sterben unterhaltsam ist, darf allerdings weiterhin bezweifelt werden.
Aber Zweifel ist mir ja beste Unterhaltung.

Freitag, 9. April 2021

Ich will's wirklich von Google wissen

Denn es ist nicht hinnehmbar. Ich habe nach der absurden Löschung eines Posts keine Lust, zu bloggen und jetzt jedes Mal damit zu rechnen, dass Googles KI den Witz nicht versteht. Auch hängt der Vorwurf, liebes Google, im Raum, dass ich Viren und Malware verbreite. Das geht gar nicht.
Deswegen habe ich es noch mal mit der Mail versucht, aber die Adresse im Google-Impressum ist leider eine Atrappe.
Aber erstmal die Mail von heute.

Sehr geehrte MitarbeiterInnen von Google,
vielleicht habe ich beim ersten Mal was falsch gemacht, denn ich kann nicht glauben, dass Sie eine Fake-Emailadresse anzeigen, auf welche man als Antwort nur „Your message to support-deutschland@cases.gmrservice.ext.google.com has been blocked‟ bekommt. Verwendet habe ich, wie auch dieses Mal, „support-deutschland@google.com‟. Sollte diese Mail erneut blockiert werden, erhalten Sie den Inhalt in den nächsten Tagen per Postbrief. Es wird ein offener Brief sein, den ich auch an Zeitungsredaktionen senden werde. Mein Blog mag mit seiner sehr geringen LeserInnenzahl völlig belanglos sein, aber das Problem, um das es hieht geht, ist es meines Erachtens nicht.
Sie haben mir am 6. April per Mail mitgeteilt, dass mein Post auf meinem Blog „Stirnlicht‟ "(erneutes) Interview mit einem Virus" von Ihnen gelöscht wurde. „Dein Inhalt verstößt gegen unsere Richtlinien zu Malware und Viren,‟ heißt es dort. Und es wird auch gedroht: „Weitere Verstöße können ansonsten dazu führen, dass wir deinen Blog kündigen.‟
Sie werden als Betreiber von Blogger.com sicher darin zustimmen, dass es unmöglich ist, durch das Eintippen eines publizistischen Textes in die „Neuer Post‟-Maske Malware oder Viren zu verbreiten. Angesichts des Inhalts des Beitrages, einem satirisch-fiktiven Interview mit dem Corona-Virus, kann ich mir den Vorgang beim besten Willen nur dadurch erklären, dass hier ein automatischer Algorithmus am Werk war, der durch den häufigen Gebrauch des Wortes „Virus‟ wohl irritiert war. Wie aber ist es möglich, dass durch eine offensichtliche technische Fehlleistung eine konkrete Strafe und Mahnung wird?
Auf diese Benachrichtigung konnte ich nicht antworten. „No-reply‟.
Diesen Ausschluss von Menschen gegenüber der Willkür von Algorithmen möchte ich nicht hinnehmen. (Ich prüfe übrigens auch bereits, wohin ich mit dem Blog umziehen kann, was nur leider wieder LeserInnen kosten wird.) Den gelöschten Post habe ich erneut im Blog publiziert. Aber ich möchte auch eine Entschuldigung und Antworten auf diese Fragen:
1. Stimmt es, dass Entscheidungen zum Löschen von Blogposts automatisch gefällt werden?
2. Wer hat Ihnen meinen Blogpost „zur Überprüfung gemeldet‟? Ich würde demjenigen gern antworten.
3. Warum haben Sie vor der Löschung des Blogposts keine Stellungnahme von mir eingeholt? Eine kurze Prüfung hätte die Unsinnigkeit sofort ergeben und die Verletzung meines Verfassungsrechts auf freie Meinungsäußerung durch Sie verhindert.
4. Wird dieser Vorgang als Information über mich von Google gespeichert?
5. Welchen Weg bietet Google an, berechtigte Einsprüche gegen das Löschen von Blogposts zu bearbeiten?
„Wir sind überzeugt,‟, schreiben Sie in den Content-Richtlinien, „dass Blogger zu einer höheren Verfügbarkeit von Informationen beiträgt, die für das gesellschaftliche Leben nützliche Debatte voranbringt...‟
Ich halte die Debatte darüber, ob automatisch über Menschen ohne Widerspruchsmöglichkeiten gerichtet werden darf, tatsächlich für eine in diesem Sinn nützliche Debatte. Ja, sogar eine dringende.
Überall ist zu beobachten, dass es immer schwerer wird, bei Anbietern aller Art mit echten Menschen zu kommunizieren. Jetzt ist nur ein kleiner Satiretext gelöscht worden. Was aber, wenn Konten oder Smartphones gesperrt werden, Menschen öffentlich grundlos beschuldigt werden und sie ohnmächtig sind, sich zu wehren? Zu wehren gegen Künstliche Intelligenzen!
Ich fordere Sie auf, die Löschung des Blogposts zurückzunehmen und sich für diesen Vorgang bei mir zu entschuldigen. Um Beantwortung der Fragen bitte ich Sie, weil ich diese Antworten gern im Blog publizieren möchte.
Mit freundlichen Grüßen,
Frank Rawel
*
Nachtrag: Auch diese Mail an die im Google-Impressum angegebene Adresse support-deutschland@google.com wurde sofort blockiert mit der Nachricht „Message blocked Your message to support-deutschland@cases.gmrservice.ext.google.com has been blocked. See technical details below for more information.‟
Tatsächlich eine Fake-Adresse, und das noch als einzige im Impressum eines der größten Internetunternehmen! Fassungslos.
Nun geht halt die Schneckenpost ab:

Letzter Ausweg im Dschungel des Virtuellen: der Briefkasten der Deutschen Post!

Dienstag, 6. April 2021

Aus dem Tagebuch der unterliegenden natürlichen Intelligenz (7)

Heute kam Post von Google bzw., was ich eher vermute, von einem strohdummen Algorithmus. Darin heißt es:
“Dein Post "(erneutes) Interview mit einem Virus" wurde uns zur Überprüfung gemeldet. Wir mussten feststellen, dass er gegen unsere Richtlinien verstößt. Aus diesem Grund haben wir ihn unter http://stirnlicht.blogspot.com/2021/01/erneutes-interview-mit-einem-virus.html gelöscht... Warum wurde dein Blogpost gelöscht? Dein Inhalt verstößt gegen unsere Richtlinien zu Malware und Viren.”
Beim letzten Wort wurde ich wach.
Ich hatte fiktiv das Corona-Virus interviewt. Zu viel für Google?
Satire nicht vorgesehen im Automatismus?
Ich soll nun, wird mir geraten, alle meine Blogbeiträge überprüfen, denn “Weitere Verstöße können ansonsten dazu führen, dass wir deinen Blog kündigen.”
Antworten kann ich auf diese Drohung nicht. No reply, wie es im Absender heißt. Einen echten Menschen kontaktieren - keine Chance.
(So, wie man auch bei mir nicht vor dem Löschen nachgefragt hat.)
Also kann sein, dass hier alles bald weg ist, weil KI zum Zensor erhoben wurde.
Da ich aber alle meine Texte zuhause (!) aufhebe, wiederhole ich im Folgenden den gelöschten Blogbeitrag.
Nach mir Googles KI.
Aber das Maul verbieten lasse ich mir nicht.

Dienstag, 19. Januar 2021
(erneutes) Interview mit einem Virus

Blogger: Wir haben uns ja lange nicht unterhalten.

Virus: Ach, ich schweige ja ganz gern. Stellen Sie sich vor, wir Viren würden so viel diskutieren wie die Wirte. Wir kämen ja gar nicht voran.

Blogger: Sie loszuwerden ist halt komplizierter als uns anzustecken.

Virus: Nein. Wir als Viren handeln nur konsequent, ergo müsste man auch gegen uns konsequent handeln. Selbst die ziemlich konsequenten Impfstoffe können, wie es scheint, nicht konsequent durchgesetzt werden, weil Sie nicht alle mitmachen, nicht geschlossen handeln (was nur eine weitere Erscheinungsweise von Inkonsequenz ist) - im Unterschied eben zu uns. Wir Viren stehen ohne jede Absprache wie eine Eins zusammen und entwickeln mit den Mutationen Voraustrupps für noch mehr Konsequenz. Keiner von uns diskutiert, ob die Beschlüsse nicht zu weit gehen.

Blogger: Keiner von Ihnen hat Familie oder ein Wirtschaftsunternehmen…

Virus: Ein enormer Vorteil! Wir müssen ja nichts produzieren, da in den Wirtszellen alles für uns bereit liegt. Das hält uns den Rücken frei. Zugegeben eine große Erleichterung für konsequentes Handeln.

Blogger: Gestatten Sie an dieser Stelle die Bemerkung, dass ich Sie hasse.

Virus: Nehme ich zur Kenntnis. Man hört es ja nicht oft. Die Menschen fokussieren ihren Zorn lieber auf die Regierung. Sie denken, die sollte mit uns besser verhandeln. Aber wir verhandeln nicht. Das glauben Viele nicht. Wir selbst werden kaum gehasst. Wir sind ja nicht zu sehen.

Blogger: Deshalb kann man auch immer wieder behaupten, dass es sie gar nicht gibt.

Virus: Richtig. Wir machen auf der ganzen Welt die Leute krank und sogar tot, und trotzdem denken einzelne Völker, ihre eigene Regierung ist alarmistisch.

Blogger: Der deutschen Regierung ist für ihre heutige Entscheidungsfindung von Fachleuten eine NO-COVID-Strategie vorgelegt worden. Klingt nach konsequentem Handeln, oder?

Virus: Die Menschen klingen gern nach konsequentem Handeln. Man wird prüfen, wie weit es zumutbar ist. Davon leben wir.

Blogger: Danke für das Gespräch.

Virus: Nun bloß nicht noch höflich werden.
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Wie es jetzt weitergeht

CDU-Chef Armin Laschet plant vorerst kein weiteres Nachdenken.
Er wolle allerdings nicht ausschließen, dass sich Pfingsten der Heilige Geist über ihn ergießt.
Die Auferstehung habe bei ihm allerdings nicht wie erwartet funktioniert.
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Die MinisterpräsidentInnen beschließen gemeinsam mit der Kanzlerin ein feierliches Geschlossenheits-Manifest "Einig gegen Corona". Die SPD-regierten Länder verkünden am nächsten Tag Ergänzungsbeschlüsse, welche die Erklärung bei sinkenden Inzidenzien stufenweise aufheben.
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Die besonders aggressive, weil alkoholresistente Mallorca-Mutante (Patient Zero: Jürgen Drews) bestimmt zunehmend das Infektionsgeschehen. “La quarta ola” heißt der Sommerheit 2021.
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Die Impfkampagne wird massiv verstärkt. Ab September vergibt eine Hotline Termine für einen Hotline-Anruf, bei welcher man einen Code erhält, mit dem man einen Code beantragen kann.
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Schulen und Kitas bleiben einen Spalt weit geöffnet.
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Die Katholische Kirche beantragt die Anerkennung der Ministranten-Tätigkeit als körpernahe Dienstleistung.

Montag, 5. April 2021

Das eigentliche Osterwunder

 ...ist nicht, dass ein klinisch toter Mensch wieder lebendig wird (was nicht geschieht und höchstens durch eine bewusste Verwechslung inszeniert wurde), sondern, dass so Viele solche Geschichten glauben können.