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Sonntag, 31. Januar 2021

Zur Pandemie des Consultant-Vokabulars

Mein Lieblingswort im jüngsten ZDF-Interview mit dem Bundesgesundheitsminister ist ganz klar “Erwartungsmanagement”.
Hat meine Erwartungen an Beschwichtigungsrhetorik voll erfüllt.
(Jetzt bloß noch nicht noch erkranken, um womöglich erwartungsmäßig nachjustiert zu werden!)
Im nächsten Politiker-Workshop sollte vielleicht aber auch ein wenig “Vertikales Entschuldigungs-Handling” trainiert werden.
Oder hatte Spahn schon den Kurs für Fortgeschrittene?

Samstag, 23. Januar 2021

Unerwartete Vorhersage

Man stelle es sich nicht zu einfach vor, wenn wieder alles einfach ist.
Die Aufhebung aller Kontaktbeschränkungen wird Viele darüber erschrecken lassen, wie sehr die verordnete Distanz heimlich Teil ihres Wesens geworden ist.
“Opa ist nicht gern unter vielen Menschen”, werden Enkel sagen. “Er ist damals in der Pandemie so geworden. Hat immer noch eine Schutzmaske dabei, traut sie sich aber nicht, sie aufzusetzen, weil er fürchtet, ausgelacht zu werden.”
Die Generation Corona entwickelt Symptome wie bei Agoraphobie.
Alle glaubten sie, nichts sehnlicher zu erwarten, als wieder frei reisen oder Konzerte besuchen zu können. Als es plötzlich im Sommer 2021 erlaubt wurde, erschraken sie über ihr Unwohlsein in diesen Situationen.
“Es fühlt sich leichtsinnig an und irgendwie falsch”, sagten sie.
Es werden womöglich Hilfsangebote nötig, Resozialisierungsprojekte.
Konfrontationstraining.
Am merkwürdigsten werden die Nostalgie-Shows im Fernsehen sein.
“Als wir geschützt waren.”

Donnerstag, 21. Januar 2021

Virtuelle Zwangskollektivierung

Vor kurzem erfuhr ich, dass ich Mitglied im sicher ehrenwerten, mir aber bis zu diesem Zeitpunkt erfreulich unbekannten Apple-Game-Center bin.
Ein Fenster ploppte plötzlich vor mir auf und fragte mich, ob ich als Member nicht jetzt gerade mit wildfremden Menschen ein Spielchen wagen möchte.
Eigentlich war es schon im Gange.
Ich bin sehr ungern Mitglied in irgendwas, ohne vorher gefragt zu werden. Deshalb ärgerte ich mich, obwohl Andere sagten: was willst du, die wollen doch nur spielen.
Ich kenne Hunde.
Und ich muss wieder mit nervenden Epochenvergleichen kommen: in der DDR wurde ich immerhin pro forma gefragt, ob ich Mitglied sein will. Warum meint Apple, mich nicht fragen zu müssen?
Oder, nein, sie fragen und man merkt es nicht. Das kann gut sein. Irgendwo in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen wahrscheinlich auch konkrete.
Im Kleingepixelten, das ich irgendwann, beim Kauf des Laptops womöglich schon, in der Euphorie der Freude auf das Benutzen eines vermeintlich mir gehörenden Gerätes, mit einem Häkchen in einem Kästchen buchstäblich abgehakt hatte.
Ein wenig ist es mir, glaube ich, mit Einsatz einer gehörigen Portion Freizeit gelungen, aus dem Spielerzwangslager auszubüchsen. Kann sein, dass mir dabei sogar ein Werbebanner “Verantwortungsvoll spielen!” gezeigt wurde, weil man Humor hat.
Man freut sich, wenn schon kein glaubwürdiger Exodus mehr möglich ist, über das so genannte Deaktivieren, das Kündigen light. Der Deaktivierte schwebt wie eingefroren zwischen Sein und Nichtsein. Das Deaktivieren ist quasi die Schrödingerkatze des Internet.
Man kann außerdem Belästigungen durchaus reduzieren und den Bildschirm halbwegs frei kriegen, das ist viel heutzutage.
Mitgliedschaften grassieren mittlerweile wie Infektionen. Um den Preis einer Software zu erfahren, muss man immer öfter erst einmal einen Account anlegen, bestätigen, und dann kann man, wenn einem der Preis gefällt, es immer noch nicht kaufen, weil es nur eine Jahresmitgliedschaft gibt, die sich automatisch verlängert wie damals beim FDGB.
Mittlerweile bin ich wenigstens schon ganz gut im Finden von harten Kündigungsmöglichkeiten.
Manchmal muss man dazu erst jemanden in einer Verzweifelten-Community finden, der weitererzählt, was man anstellen muss, um abzuhauen.
Selbstverständlich muss man in der Community Member sein.
Irgendwann sind wir nur noch Mitglied und gar nicht wir selber. Letzteres wird dann jemand anbieten, als kostenlose Demoversion.

Dienstag, 19. Januar 2021

Irgendwas mit Medien -2-

Normalerweise übertreibt Reklame, außer sie wird übersetzt.
Dann ist sie neuerdings oft wie Milchglas, durch das man nicht mehr recht was erkennt.
Eine Krimiserie verspricht, dass sie die “elastische Natur der Realität durch ihre zentrale Figur...erkundet.”
Eine andere kündigt eine “dunkle Odyssee über die Dämmerung des künstlichen Bewusstseins” an. 
Wahrscheinlich dämmert schon im englischen Original nichts. Aber nun ist ganz dunkel.
Da kommt sicher noch viel.
Ein Wettlauf zwischen Qualität der Übersetzersoftware und Einsparungsradikalität menschlichen Tuns. 

Freitag, 15. Januar 2021

Seenot

Natürlich gibt es noch die Bücher. Sie waren immer da, und ich habe immer gelesen, aber irgendwann will man über den Buchdeckel hinaussehen.
Und da wird es ernst.
Nach einem verzweifelten Durchkämmen bei prime, Sky, appleTV und Anderen reift die erschreckende Erkenntnis: wir haben seit dem ersten Lockdown jetzt alles gesehen.
Wir kennen jedes morbide Serienkaff, in welchem jeder ein düsteres Geheimnis hat.
Unsere Lieblingsfilme, die wir gerne mal wieder angeguckt haben, kennen wir langsam so auswendig, dass sie drohen, nicht mehr unsere Lieblingsfilme zu sein.
Beim Probieren von Neuem haben wir Perlen entdeckt, haldenweise Mittelmaß und erschreckenden Stumpfsinn pandemischen Ausmaßes, von dem ich nie geahnt hätte, dass psychisch gesunde Menschen dessen Herstellung finanzieren.
Es sind ganz furchtbar schlichte Muster erkennbar geworden, nach welchem Filme und Serien gefertigt werden, als wären es Pizzen, die man sich immer gleich auftaut und in den Ofen schmeißt.
Wir haben uns auch mal angeschaut. womit sich Teenager die Pubertät verlängern. Und sogar Kinderfilme, die manchmal sogar erwachsener sind als Erwachsenenfilme. Aber jetzt haben wir wirklich, wirklich alles gesehen und stellen mit wachsender Furcht fest, dass der Lockdown nicht nur verlängert, sondern womöglich sogar verschärft werden soll. Was dann?
Unendlich schienen anfangs die Archive von Filmen und Serien, und dann gab es ja doch auch wenigstens halbtote Sportveranstaltungen, manches Streamingnotangebot diverser Kulturträger und nicht zuletzt auch einen US-Präsidenten mit Unterhaltungsangeboten eigener Art.
Aber wie ein Menetekel an der Wand kündet auch sein Rauswurf aus dem Weißen Haus vom Ende des Entertainments.
Es ist auch unübersehbar, dass coronabedingt weniger Filme fertiggestellt werden. Außerdem scheint bei den Kreativen zusätzlich das Virus der Einfallslosigkeit zu grassieren, oder kommen im Homeoffice keine brauchbaren Geschichten?
Die vielen Abende, die wir statt bei lebensfrohem Jazz oder Oper oder Kleinkunst oder Geselligkeit nun in endlosen Serien -Fortsetzungen mafiöser Drogengeschäfte verbracht haben, haben uns überdies mental und sittlich gefährlich hinuntergezogen. Wir fühlen uns manchmal schon verdächtig, weil wir an keinerlei kriminellem Komplott beteiligt sind im Gegensatz zu fast allen da drin im Bildschirm.
Das Gute im Menschen scheint leider kein geeigneter Filmstoff zu sein. Und wenn sich die Guten lediglich durch hanebüchene Superkräfte aus der Volksmenge hinter der Gardine generieren, bin ich sowieso gleich weg.
Skandinavische Serien spotten dem Ranking ihrer Länder im globalen Glücksatlas.
Produktionen aus China lassen staunen, wie viel Geld für Kitsch da ist, und lückenschließende russische Serien transportieren schlecht verhüllt Militärkult und Demokratieskepsis, so dass der Hinweis im Abspann auf staatliche Förderung all zu plausibel erscheint.
Aber das kann man doch alles wirklich nicht gucken!
Auch nicht die platten Liebes- oder Splatterfilmchen. Soll das die Endstation eines Gelockdownten sein? Die kulturelle Zombisierung?
Bei welchem “Sie haben das schon gesehen”-Wert wird der Kulturnotstand ausgerufen?
Spendiert die Regierung wenigstens Schlaftabletten?
Oder wenigstens mal einen abendfüllenden Skandal?
Sonst wird es hart.

Montag, 11. Januar 2021

Das letzte Hemd in Blau

Auf dem Dachboden, in einer der Kisten, die ich weder auspacken noch wegwerfen kann, lagert auch mein so genanntes Blauhemd, die regular-fit-Obertrikotage des DDR-Jugendverbandes FDJ. Zu keinem Zeitpunkt würde ich mich allerdings um dieses Hemd mit Polizisten prügeln, wie gestern dergleichen in Berlin geschah.
Trotzdem kriegen sie's nicht.
Obwohl es untragbar ist.
Schon das brüllende Blau, in welches das Hemd getunkt ist, ist nirgendwo auf der Welt je Modefarbe gewesen, was allein ich schon als Gemeinheit empfand.
Das Blau zeigt, wie blauäugig sich die alten Genossen einen Jugendverband vorstellten: als "junge Garde des Proletariats", als ihren eigenen Fake-Jungbrunnen, als wären ihre Enkel nur junge Omas und Opas.
Dass die Polizei gestern in Berlin gegen das dünne Hemd kämpfte wie gegen fleischgewordenes Corona, hat mich zunächst verwundert. Gab es nicht kürzlich zum Einheitsjahrestag so viel Bekenntnis dafür, dass zu wenig Verständnis für ostdeutsche Lebenswege gezeigt würde? Piff-paff-puff.
Man müsste doch wissen, dass es sich bei der FDJ um eine der vielen verschnarchten Massenschubladierungen gehandelt hat. Gut, wir haben Arbeitseinsätze mitgemacht, um das Wohngebiet zu begrünen, haben uns für Jugendtanz eingesetzt und für Vietnam gesammelt. Im FDJ-Studienjahr wurden Marx und Lenin gelesen, und mit dem FDJ-Reisebüro Jugendtourist ging es nach Ungarn oder Bulgarien. Bei den Weltfestspielen in Berlin 1973 habe ich im Blauhemd mit vielen Jugendlichen aus aller Welt diskutiert und mein Land mehr in Schutz genommen, als dieses es je verdient hatte. Aber verdient das Symbol die Gleichstellung zum Hakenkreuz, ohne mich zu beleidigen?
Ist das Tageslicht damit ernstlich geschändet?
Sehen muss ich das Ding da freilich auch nicht, und ich fand mich in Frankreich jedes Mal peinlich berührt, wenn "fdj" wieder an einem Lottoladen stand. Aber noch weniger mag ich sehen, wie jemand, der seine Wampe heute noch ins Blauhemd zwängt, in den polizeilichen Schwitzkasten genommen wird.
(Was die alten Genossen, nebenbei, stolz macht.)
Es bestehe, heißt es, gegen das Blauhemd ein "Anfangsverdacht".
Der sollte in der Sache das Ende sein.
*
Nachtrag: verfassungsbedenkliche DDR-Symbolik gibts auch als Wertanlage.
 

Sonntag, 10. Januar 2021

Gendern, bis die Ärztin kommt

Warum hat man bei menschlichen Projekten so selten das Gefühl, dass Frieden gestiftet wird?
Statt endlich herzlich zusammenzukommen, ja zu verschmelzen in einer gemeinsamen grammatischen Form, die leicht sprechbar ist, soll in den Duden gemeißelt sein, dass selbst beim Leiten einer Bäckerei exakt zu definieren ist, ob dieses Wesen Eizellen oder Spermien produziert.
Die im Deutschen bislang zu zart keimende Pflanze, mit einem Wort alle Menschen einer Berufsgruppe geschlechtsneutral zu bezeichnen, wie es englisch Sprechende ganz selbstverständlich pflegen, wird zugunsten eines semantischen Dschungels voller tödlicher Gefahren zertreten.
Wen hat das Hotel, wenn eine Frau DER Gast ist?
Schließen die Arztkosten die Ärztinnenkosten ein?
Ist es schon verdächtig männlich, “Wer” zu fragen? Ist “jemand” bei Bedarf auch eine Jemandin?
Der Wald wird, ich verspreche es, so tief, dass niemand hinausfinden wird, wohl aber hineingeprügelt.
Die Furcht wird die Begleiterin der Wortwahl sein und sich Fortschritt nennen, in Anflügen der Ehrlichkeit womöglich Rache.
Gesagt wird am Ende vielleicht vor lauter Bedenken lieber nichts.
Aber das kenne ich schon gut von früher.

Freitag, 8. Januar 2021

Kostümball Putsch

Auf den Halbnackten mit den Büffelhörnern hat kaum ein Massenmedium verzichtet.
Auch in Washington D.C. hat es derzeit Temperaturen knapp über Null. Also hat hier jemand gern gefroren. Schade nur, dass Leni Riefenstahl nicht mit der Kamera gekommen war. Sie hätte den wilden Reinen, als den er sich sicher sieht, den Kernkraftprotz des Anti-Establishments eindrucksvoll inszeniert, Triumph des Willens und so. Aber vielleicht wäre Lenis Kamera auch irrtümlich mitzertrümmert worden, weil man sie für eine Sklavin der Fake News Media gehalten hätte.
So tummeln sich im verbleibenden Bildmaterial, oft genug aus den Smartphones, vor allem Jogginghosen und Rockerjacken, und die Ikonisierung des Wüsten kann trotz einiger Kostümgags nicht recht gelingen.
Joe Bidens dunkler Anzug wirkte, sicher ungewollt, wie ein bewusst gesetzter Reset des Zivilen. Aber kann man das Wort “anziehend” von “Anzug” ableiten?
Der Anzug ist sicher auch die Zwangsjacke der Gefolgsamkeit. In anderen Kulturen, der indischen oder afrikanischen zum Beispiel, findet sich freiere, schmückendere Gewandung. Der westliche Anzug mit der Halsschlinge trägt die giftige Botschaft des Unterworfenwordenseins.
Wer Volk verführen will, hat gern die Kostümierung genutzt. Nicht zufällig zitiert noch heute mancher Dresscode der S/M-Szene die SS. Kleidung will Potenz vermitteln. Der Populismus kann die Wut dann mit Lust unterlegen. Auch die Lust ist ein Ausbrechen aus der Ordnung, adressierbar auch hinter Designerklamotten. Wie alles Menschliche kann die Lust zu Führungszwecken instrumentalisiert werden.
Deshalb erwarte ich nun gespannt den ersten Büffelhornträger der AfD.

Mittwoch, 6. Januar 2021

Folgen des Phantasiemangels

Ein immer größeres Risiko für das Überleben der Menschen ist deren verbreitete Phantasie-Armut.
Sich nicht vorstellen können, was passieren kann.
Oft verwechselt mit bodenständiger Lebensnähe, während Phantasten nur als Träumer belacht werden und Verschreckte. Eine Methode, das eigene Defizit offensiv zur Tugend zu verklären.
Nur lässt sich ohne die Fähigkeit der phantasiebegabten Vorstellung dem unsichtbaren Verhängnis eines Virus nicht wirksam begegnen.
Mir im Abstellbau der Einkaufswagen dicht und nicht bereit zum Ausweichen entgegenzutreten, weil die magere Vorstellungskraft fehlt, dass wir einander anstecken könnten, kann Folgen haben, die dem mich Bedrängenden offenbar so märchenhaft entfernt sind wie der Hogward-Express. Sonst würde er sich so nicht verhalten.
Die ganz wenigen Menschen, die Phantasie besitzen, machen Filme oder schreiben Bücher, welche einzig und allein Zuschauer und Leser einen Lupf weit über den Tellerrand ihres Vorstellungsvermögens zu schleppen vermögen. Oft ist aber auch da nicht mehr viel Originalität am Werk, kommen mechanisch industriell die immer gleichen Stanzen zum Einsatz, weil Phantasie-Profis irgendwann leer-fantasiert sind. Vielleicht wollen sie auch nur bequem an ihrem Publikum andocken, das nicht viel Phantasie verträgt oder will.
Dabei bin ich sicher, dass die Gabe, zu denken, was nicht unmittelbar erfahren wird, schon immer eine entscheidende Evolutionsvoraussetzung des Menschen war. Verbunden oft mit Ängsten, die zum Anlegen von Vorräten verleitet haben oder zum Bau von Stadtmauern.
Die Welt von heute hingegen suggeriert keinen Bedarf an ins Unbekannte vorausschauenden Selbstschutz. Immer gibt es alles zu bekommen, notfalls online. Städte sind offen, man kommt überall hin. Mögen sich ein paar Verrückte, die in Wirklichkeit nur übermäßig von Phantasie geplagt sind, Schutzbunker bauen. Wir brauchen, so geht der Dünkel, uns nichts weiter vorzustellen als unsere Sattheit. Auch dass sich beispielsweise das Klima bedrohlich ändert, muss erst mit eigenen weit aufgerissenen Augen bestaunt werden können.
Phantasie, so denken die Phantasiearmen, ist Märchen.
Nur wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch morgen.

Sonntag, 3. Januar 2021

Ein ästhetisches Überbleibsel...

...ist die Haltungsnote beim Skispringen.
Wer da keine Ballettpose namens Telemark hinkriegt, kann bis zum Mond fliegen, ohne zu gewinnen.
Der Genuss, einen Menschen mit zwei Brettern an den Füßen elegant landen zu sehen, ist indes von vornherein bescheiden. Uns beeindruckt die Weite, die möglichst anhaltende Illusion, dass der Mensch doch fliegen könne.
In früheren, feingeistigeren Zeiten, als man noch Bänder ins Haar flocht und Sofakissen arrangierte, dürfte die höfisch anmutende Knickslandung weit höher geschätzt worden sein. Aber Kriege, Massenproduktion und Medien haben nunmal wie Sandpapier die Sinne der Menschen, sagen wir mal, geglättet.
Deshalb könnte man diesen überlebten Haltungsnotenquatsch abschaffen, bei dem sich 5 Juroren für nichts die Pfoten abfrieren und manch verwegene Sprungweite diskriminiert wird.
(Wenn man wenigstens wüsste, welche Bilder bei den Kampfrichtern zuhause an der Wand hängen, könnte eventuell deren ästhetische Kompetenz beurteilt werden. Aber die Bilder sollen ja auch nicht weit fliegen.)
Messt die Weite, baut endlich funktionierende Windfänger und lasst "Telemark" als Namen zurück für die norwegische Landschaft, aus welcher die Sprungtechnik stammt.
Die Gegend führt übrigens eine Axt im Wappen.
Dies sei auch beim Skispringen Programm.