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Dienstag, 27. April 2021

Aus dem Tagebuch der unterliegenden natürlichen Intelligenz (8): Fundlawinen

“Wenn jemand bei dir ein Pferd kaufen will, und du hast kein Pferd, dann verkauf ihm einen Esel.”
An diese schöne, alte Händlerweisheit fühle ich mich jedes Mal erinnert, wenn ich in irgendeine Online-Suchmaske etwas eingebe.
Einen Schauspieler oder Regisseur etwa bei Amazon Prime Video.
Nur wenige Antworten passen zur Anfrage. Jedoch anstatt es bei diesen bewenden zu lassen, werden nun endlos Filme aufgelistet, die irgendwann unter Aufbietung aller Fantasie wirklich nichts mit der Frage zu tun haben können.
Sollte ich nicht entnervt aufhören, würde irgendwann jeder Film, der da ist, angeboten werden.
Du sollst nicht suchen, spricht es zu mir, sondern als gefunden betrachten, was wir dir vor die Füße werfen.
Auch Amazon hat die Empfehlung mit dem Esel ausgebaut: wenn du auch keinen Esel hast, verkauf ein Huhn oder ein Holzbrett. Aber verkaufe.
Verkaufen ist wichtiger als antworten.
Eine Suchmaske ist nichts anderes mehr als eine Angel ins Portemonnaie.
Selbst objektiv scheinende Suchmaschinen listen Handelsangebote, weil dafür bezahlt wurde, oben. Sie suchen zuerst nach der Belästigung, die am besten zur Frage passt.
Vom Kaufmännischen her ist das Vorgehen gut zu verstehen.
Aber es macht etwas mit uns (,weswegen ich diese kleine Reihe pflege).
Es entwöhnt uns das Fragen.
Fragen ist nur noch der kleine Finger, an dem die ganze Hand hängt.
Und Fragen heißt: keine klare Antwort bekommen.
Jeder vorsichtige Schritt löst irgendwann nur noch eine Lawine aus, die alles begräbt, was man sucht.
Die Suchmaschine überwältigt, bedrängt, irritiert.
Aber antwortet nicht mehr.
Wen noch fragen?

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