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Sonntag, 25. April 2021

Das Wirr-Gefühl

Überhaupt darüber zu diskutieren, dass Geimpfte, so sie niemanden anstecken können, nicht wieder alles dürfen sollen, ist ein erbärmlicher Ausdruck dieser kleinkarierten Missgunst, die wie Mehltau auf diesem Volk liegt.
Niemand soll ein Vorteilchen haben, und sei es auf Zeit.
Da gehen wir gleich nach Karlsruhe.
Anderen etwas gönnen - das wäre ja noch schöner.
Man hörte diese Basslinie des Volksempfindens schon lange beim Besteigen von Zügen oder Einfädeln auf Autobahnen. Erst ich. Als verlöre man etwas, wenn Andere zehn Meter gewinnen.
Und so gar keine Lust nirgends, einfach mal schön zu denken.
Sicher muss man bei den Geimpften klären, ob sie wirklich das Virus nicht mehr weitergeben. Aber wenn dem so ist, könnte man zur für jeden in Aussicht stehenden Rückkehr in die Normalität doch nur gratulieren - wenn nicht dieser giftige Neid wäre.
Die Meta-Pandemie.
Gefüttert wurde der Neid insbesondere über lange Jahre von egoistischer Werbung (“Unterm Strich zähl’ ich”). Im Laufe der Pandemie war dann zwar zu beobachten, dass viele Werbestrategen auf ein gemeinschaftliches Wir-Gefühl umzuschwenken versuchten. Aber viel geholfen hat es offenbar nicht, wenn auch in der Frage der Geimpften-Rechte gar mit Klagen gedroht wird.
Es wäre jedoch schlichtweg absurd, von Menschen, die keine Gefährdung darstellen, zu verlangen, sich zu verhalten, als ginge eine Gefährdung aus.
Allerdings wäre das Absurde nicht zum ersten Mal die Zuflucht dummer Wut.

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